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Die Embleme in der Antoniuskapelle (um 1656)

© Dieter Bitterli, 2011

Der Brunnen der Gnade (Emblem 1)


Pictura: Maria mit dem Kind neben einem ebenfalls nimbierten Kind in einer Wiege; dazwischen ein Stockbrunnen, aus dem zu beiden Seiten Wasser fliesst.

Inschrift: GRATIA PARIT GRATIAM, GRATIA FONTEM. (Die Gnade gebiert die Gnade, die Gnade den Quell.)

Bedeutung: Das Emblem preist Maria als Mittlerin der göttlichen Gande (symbolisiert im Brunnen). Unklar allerdings ist, wer das nimbierte Kind in der Wiege darstellt: der heilige Antonius oder der heilige Sebastian vielleicht, denen die kleine Kapelle geweiht ist?


Die Karaffe (Emblem 2)


Pictura: Eine Karaffe.

Inschrift: TRANSMITTIT ILLIBATA RECEPTUM. (Unverletzt gibt sie weiter, was sie empfangen hat.)

Bedeutung: Ein Sinnbild der jungfräulichen Gottesmutterschaft Marias, die rein ist wie das vom Licht durchdrungene Glas der Karaffe.

Quelle: Filippo Picinelli, Mondo simbolico (Mailand 1653), XV,52 (vom Sonnenlicht durchdrungene Karaffe): TRANSMITTIT ILLIBATA RECEPTUM.

Die Geburt Marias (Emblem 3)


Pictura: Die Geburt Marias: Anna im Wochenbett, Joachim hält das Kind, vier weitere Frauen.

Inschrift: IAM ANTE NATAM PEPERIT. (Sie gebar die schon vorher Geborene.)

Bedeutung: Mariä Geburt (8. September) war zur Blütezeit Hergiswalds noch ein bedeutender marianischer Feiertag. Das Emblem verherrlicht das ausserbiblische Ereignis, wobei die Inschrift so zu verstehen ist: 'Sie', d.h. Anna, gebar 'die schon vorher Geborene', d.h. Maria, die ewige Gottesmutter und Himmelskönigin.


Die Elefantenkuh (Emblem 4)


Pictura: Eine trächtige Elefantenkuh.

Inschrift: SEMEL ET UNUM. (Einmal und eines.)

Bedeutung: Bloss einmal in seinem Leben (SEMEL) soll das Elephantenweibchen angeblich trächtig werden und dabei nur gerade ein einziges Junges (UNUM) zur Welt bringen – ganz wie Maria, die Mutter des «eingeborenen Sohnes» (Credo).

Quelle: Filippo Picinelli, Mondo simbolico (Mailand 1653), V,262 (Elefant): SEMEL, ET UNUM, als Sinnbild der jungfräulichen Gottesmutter. Allerdings bezweifelt Picinelli die Sache mit der Elefantengeburt: "Zwar stimmt's nicht, doch …"

Die Morgenröte (Emblem 5)


Pictura: Der Morgenstern und die Sonne, von oben ein helles Licht.

Inschrift: LUCIFER AURORAM HÆC SOLEM PARIT. (Der Morgenstern bringt die Morgenröte, diese die Sonne hervor.)

Bedeutung: Die Gottesmutter Maria ist in dieser himmlischen Konstellation die (weibliche) Morgenröte (Lat. aurora): ihr voraus geht Gottvater als der göttliche Morgenstern, und aus ihr hervor geht die Sonne, d.h. Christus (Lat. sol, m.).

Quelle: Vgl. Filippo Picinelli, Mondo simbolico (Mailand 1653), I,32 (Morgenröte): E MECO PORTO IL SOLE, als Sinnbild der ‹Maria gravida›.
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Die fünf Embleme am Gewölbe der Antoniuskapelle (um 1656)