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Die Embleme an der Orgelempore und das «Ende der Welt»

Die siebzehn Sinnbilder an der Brüstung der Orgelempore über dem Eingang gehören zum grossen Zyklus des Bilderhimmels. Kaspar Meglinger malte sie im Jahre 1654 zusammen mit den 307 Tafeln der Holzdecke nach einer Idee des Kapuziners Ludwig von Wyl.

Die Zugehörigkeit der Tafeln zu denen des Bilderhimmels ergibt sich einerseits aus dem gemeinsamen mariologischen Thema und andererseits aus der Zahlenkomposition des Zyklus: Die 307 Tafeln an der Decke bestehen aus je 100 Stück im nördlichen und südlichen Langhaus, je 53 über der Felix- und der Marienkapelle sowie dem grossen Mittelbild. Zusammen mit den siebzehn Sinnbildern an der Orgelempore sind dies insgesamt 324 bemalte Tafeln.

Die Zahlen sind nicht zufällig. Die Quersumme von 324 (3 + 2 + 4) beträgt 9, d.h. 3 x 3, die Zahl der Trinität und der Heiligen Familie; dasselbe gilt für 306 (die Tafeln an der Decke ohne das Mittelbild) und für 153 (die Hälfte davon). Multipliziert man die Primzahl 17 (die Tafeln bei der Orgel) mit 3 x 3, so ergibt dies ebenfalls 153 – eine biblische und heilige Zahl, denn sie entspricht der Menge der Fische beim wunderbaren Fischzug Petri (Johannes 21, 1–14).

An der Emporenbrüstung ist die mystische Dreizahl prominent inszeniert: genau in der Mitte, wo die Empore auskragt, zeigen drei Tafeln die Heilige Familie mit Maria, dem Christuskind und Josef (Embleme 7-9). Christus bildet das Zentrum und schwebt auf dem Bild zwischen den Herakles-Säulen als Weltenfürst, dessen Reich über die Ränder der bekannten Welt hinausgeht.



Auch dies ist kein Zufall, sondern theologisch durchdacht und Teil des ikonologischen Programms: die beiden Heraklessäulen auf dem Bild entsprechen nämlich genau den zwei eleganten tuskischen Sandsteinsäulen, die hier die Empore stützen und den Eingang zur Kirche prachtvoll auszeichnen.

Der Eingangsbereich wird damit symbolisch zum «Ende der Welt» und der Kirchenraum davor zum Abbild derselben; in der Mitte dieser Welt aber steht die Santa Casa, das wundersame Häuschen der Heiligen Familie. Die Symbolik der Bildtafeln überträgt sich so auf die Architektur und umgekehrt. Und plötzlich ist alles lesbar für den, der sieht.



Literatur: D. Bitterli, Der Bilderhimmel von Hergiswald. Der barocke Emblemzyklus der Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau in Hergiswald bei Luzern, seine Quellen, sein mariologisches Programm und seine Bedeutung. Basel 1997; 2. Aufl. 1999, bes. S. 350-65.

© Dieter Bitterli, 2011
Südliches Langhhaus mit Orgelempore und Eingang

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Das «Ende der Welt»